Mittwoch, 21. Januar 2015

Der Bauch

Heute möchte ich mal über ein für mich sehr heikles Thema schreiben.

Mein Bauch. 

Den Beitrag habe ich jetzt schon eine Weile als Entwurf gespeichert, es kostet mich einige Überwindung den zu veröffentlichen. Aber ich habe mir vorgenommen offener zu werden und hier nicht nur reine Waagen- und Essenspostings einzustellen. Zu meiner Abnahme gehört nun mal mehr als die reine optische Veränderung und bessere Gesundheit. Ich muß und will  mich mit mir, meinem Aussehen, meiner Psyche, meiner Vergangenheit befassen. Viel zu lange habe ich das nicht getan.

Ich habe schon seit ich ca. 10 Jahre alt war ein eher gespaltenes Verhältnis zu meinem Bauch.  Da fiel mir zum ersten Mal auf, das andere dickere Mädchen einen andersgeformten Bauch haben. Meiner war damals schon ganz leicht zweigeteilt, also eben zwei Rettungsringe, einer über und einer unter dem Nabel. Bei anderen sah das ganz anders aus, eben nur dick. Mein Nabel ist in meiner Erinnerung schon immer eher ein horizontaler Schlitz gewesen. Was er natürlich nicht wirklich ist. Er ist völlig normal, aber eben durch die Rettungsringe zusammengedrückt.
Im Lauf der Jahre wurden beide Teile immer dicker, bis hin zur sogenannten Fettschürze.
Wie ich dieses Wort hasse, ich könnte kotzen wenn ich es benutzen muss. :-(  
Entschuldigt bitte die Wortwahl, aber es ist so.

Kleidung habe ich immer danach ausgewählt wie gut sie meinen Bauch versteckt. Es kam am Ende natürlich immer auf weite Wallewalleshirts und -blusen raus.  Heute bin ich schon einen Schritt weiter. Mein Bauch hat sich nicht verändert, er ist evtl. etwas weicher, aber die zwei dicken Rettungsringe sind immer noch da und lassen mich jedes mal aufs Neue resignierend seufzen wenn ich sie sehen muss.
ABER: ich greife mittlerweile auch zu etwas enger sitzenden Shirts, wohlwissend dass sie die Speckrollen durchaus nicht mehr verstecken. Und wisst ihr was? Ich fühle  mich nicht mehr so schrecklich damit. Langsam entwickle ich ein wenig Selbstbewusstsein und versuche das Denken von früher (Wie finden die anderen das? Was denken die über mich und mein Fett? Ich bin so häßlich) abzulegen. Geht nur in kleinen Schrittchen, aber es geht.

Am schlimmsten finde ich eigentlich, dass ich es bis heute nicht ertragen kann, wenn mein Mann meinen Bauch anfassen möchte.
Ich bin mit diesem wunderbaren Mann seit fast 25 Jahren zusammen, aber das ertrage ich einfach nicht. Da sitzt irgendeine Hemmung, ein Scheißgefühl ganz ganz tief. :-(


Die einzige Zeit, zu der ich etwas liebevollere Gedanken für meinen Bauch pflegte, waren die beiden Schwangerschaften. Der wertvolle Inhalt macht die häßliche Verpackung halt wett. ;-)
Wobei .... auch da war nicht alles schön. Bei der ersten Schwangerschaft sah man erst sehr spät, dass ich schwanger bin. Ungefähr die letzten 2 Monate. Ich hatte immer  noch solche Komplexe, dass ich mich nicht getraut habe zu einem Schwangerschaftskurs zu gehen. Die anderen Frauen mit ihren wundervollen Babybäuchen habe ich so beneidet.
Bei der zweiten Schwangerschaft wuchs der Bauch eher (insgesamt wurde er auch größer), da sah man mir meinen Zustand früher und besser an, was mir gut gefallen hat. Aber die komische Form hatte mich wieder gestört. Erst vor kurzem bin ich durch Zufall im Netz darauf gestoßen, dass es für meine damalige Babybauchform sogar einen eigenen Begriff gibt: B-Belly (wird z.B. hier erklärt).
Hach, wenn ich das damals nur schon entdeckt hätte, hätte ich mich sicher ein wenig besser gefühlt. Ist halt immer besch... wenn man denkt man hat als einziger ein bestimmtes Problem.

Nun ja. Mein Bauch wird nie auch nur annähernd schön werden. Mittlerweile kann ich damit leben. Ich muß schließlich nicht im Bikini rumlaufen. ;-)





Kommentare:

  1. Ach ja..... ich bin auch ein Bauchmensch... Apfelform nennt man das glaub ich. Und war immer sehr traurig, dass ich keine typische Sanduhr bin. Aber mittlerweile mache ich es wie du, ich ziehe mich "bauchgünstig" aber schick an, und versuche nicht mehr, ihn krampfhaft zu verstecken. Ich arbeite daran, ihn zu akzeptieren, und ihn gut zu behandeln. Schließlich hat mein Bauch ja auch 3 mal Schwerstarbeit leisten müssen...
    Bauchachtungsvolle Grüße ;)
    Gabi

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  2. einer meiner schamvollsten Momente entstand, als mein Freund meinen Rettungsring irrtümlich mit meinem Busen verwechselte ... Es ist so was mit dem Übergewicht ...
    wo Du die Schwangerschaften erwähnst - die erste Schwangerschaft begann ich recht schlank. Ich weiß noch, wie entsetzlich rund und kugelig ich mich am Tag der Entbindung fühlte, bei der ich tatsächlich über 80 kg wog! Sollte ich bei dem Gewicht wieder ankommen, werde ich mich vermutlich als schlanke Elfe empfinden ...

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Vielen Dank für deinen Kommentar. :-)