Donnerstag, 10. April 2014

Der Sport und ich.

Eigentlich zwei Dinge, die gegensätzlicher nicht sein können.  Wer mich kennt wird nie auf die Idee kommen, beides in einem Satz unterzubringen. Passt nicht zusammen, hat es auch noch nie.



Ich kann mich kaum entsinnen dass ich jemals Spaß an Bewegung hatte. Schulsport - meine Güte was war das für eine Qual. An eine Lehrerin kann ich mich erinnern, die mich und andere unsportliche Kinder immer so von oben herab und halb mitleidig angesehen hat. Motivation gleich null. Hinzu kam, dass ich damals chronisches Bronchialasthma hatte und vom Ausdauersport teilweise befreit wurde. Was mir natürlich gut gefiel.
In der 9. oder 10. Klasse bekamen wir dann mal eine Sportlehrerin die es verstand schlechte Schüler zu puschen. Durch sie habe ich es mit 16 Jahren zum ersten mal die Kletterstange ganz hinauf geschafft. Ich war stolz wie Bolle. :-D
Auf dem Gymnasium (11./12. Klasse) hatte ich dann wieder Pech - ein Sportlehrer zum Abgewöhnen. Wegen einer 5 in Sport habe ich dann auch das Abiturzeugnis nicht gleich bekommen sondern musste in den Ferien zu einer mündlichen Prüfung in einem anderen Fach - erst danach durfte ich mir das gute Teil abholen.  Wenn ich daran zurückdenke packt mich immer noch die blanke Wut....
Naja, ist lange her. Danach war das Thema erst mal abgehakt.



Zum eigentlich Thema, also der Gewichtsreduktion. Natürlich wusste ich schon immer, dass es ohne Bewegung bzw. Sport nicht geht. *grmpf*
Im Jahr 2003 lernte ich eine andere junge Frau meines Formats kennen mit der ich mich in einem Fitnessstudio anmeldete. Wir bekamen einen Trainingsplan und blieben ein paar Monate bei der Stange. Abgenommen habe ich in der Zeit nicht viel, vielleicht 5 kg. Aber ich habe an den Hosen gemerkt, wie schnell sich mein Körper doch veränderte. Nichtsdestotrotz fand ich das Training eher öde. Als dann meine neue Freundin durch private Gründe ausfiel ging ich 2 oder 3 mal allein hin - dann nie wieder. Mir war u.a. der Zeitaufwand zu groß. Von dem Zeitpunkt an an dem ich zur Haustür raus und dann wieder rein bin vergingen ca. 3,5 Stunden.
Danach nahm ich natürlich das doppelte wieder zu - versteht sich von selbst.
Ein Gutes hatte diese Zeit aber: ich habe eine richtig gute Freundin dazugewonnen. :-)



Als nun 2013 die Sache mit dem Diabetes auf den Tisch kam hatte ich schon zwei Gründe, Bewegung irgendwie wieder in meinen Alltag zu bringen. Um abzunehmen und um die Zuckerwerte positiv zu beeinflussen.  Ich war  nun fest entschlossen irgendwas zu machen. Aber was?
Es stand fest:
  • es darf keine Kosten verursachen
  • ich will dafür nirgends extra hinfahren müssen
Das schränkt die Auswahl natürlich ein. Anfangs dachte ich noch, ich bräuchte eine Gruppe, die mich motiviert und "zwingt" loszugehen. Das war ein Trugschluss, wie sich herausgestellt hat.

Ich fing an abends nach dem Abendessen mit meinem Mann und manchmal den Kindern einfach einen Abendspaziergang einzulegen. Und öfter mal das Rad zu nehmen. Eine Freundin brachte mir einen Schwingstab vorbei und erklärte mir ein paar Übungen. Das hab ich im Herbst eine Weile gemacht, dann wieder geschlampt. Die Zeit Dezember/ Januar war ziemlich bewegungsfaul, das hab ich auch am Gewicht gemerkt - ziemlicher Stillstand.
Bedingt durch das schöne Wetter schon im Februar machte das Spazierengehen wieder mehr Freude.
Bis dahin ging ich eigentlich nur in Begleitung oder wenn ich ein Ziel hatte z.B. zur Schule meines Sohnes und  mit ihm dann mit dem Bus nach Hause.
(Ich sollte hier erwähnen: wir wohnen in einem kleinen Ort ohne irgendwas, umgeben von Wald und Feld, um "Dinge zu erledigen" müssen wir in die Hauptgemeinde, ca 2,5 km entfernt.)

Im Februar entschloss ich mich, einfach mal allein tagsüber eine Runde durch den Wald zu marschieren. Andere können sich das wahrscheinlich nicht vorstellen, aber für mich bedeutete das wirklich eine Überwindung. Durch meinen Kopf geisterten Sachen wie: "hoffentlich sieht mich keiner" , "verfolgt mich jemand?" , "sollte ich die Zeit nicht anders nutzen?" ...
Schön doof.
Dennoch hab ich das wiederholt. Immer wieder. Mit jedem Mal gefiel es mir mehr. Ich probierte neue Wege aus, entdeckte neue Ecken. Das muss man sich mal vorstellen - das hier ist meine Heimat. Ich bin hier aufgewachsen. Wir waren als Kinder ständig im Wald. Und trotzdem finde ich jetzt Wege, keine 2km von zu Hause entfernt, die ich noch nicht kannte!!!  Und ich find's wunderschön. :-)



Ich habe mir angewöhnt, mindestens 3 mal pro Woche ca. 45min zu "walken". D.h. ich gehe für meine Verhältnisse schnell, ohne zu rennen. Ich merke, wie sich allein dadurch mein Fitnesszustand verbessert. Früher wäre ich nach so einer Strecke in dem Tempo halbtot aufs Sofa gefallen. Jetzt geh ich danach duschen, umziehen und fühle mich energiegeladen und frisch. Für mich eine unglaublich tolle Erfahrung.



Ich mache so weiter. Ein wenig liebäugele ich mit dem Gedanken mit dem Laufen zu beginnen, aber dafür muss ich noch weitere Kilos und Bedenken über Bord schmeißen.

Das einzige was mir jetzt noch zu meinem Glück fehlt ist etwas, womit ich die zurückgelegte Strecke messen kann. Ich liebe es, Dinge zu messen und dann Daten in Tabellen zu hämmern.
Mit einem einfachen Schrittzähler komme ich nicht zurecht, bzw. der misst mir zu ungenau.
Der nächste Gedanke war: eine GPS-Uhr. Der verging mir aber beim Blick auf die Preise recht schnell wieder.
Kürzlich stolperte ich im Netz über eine App, die per GPS die Strecke ermittelt und noch viel mehr kann: Endomondo. 
Ich wollte sie heute testen, leider fand mein Handy kein GPS Signal. Also wieder eine ungemessene Runde gelaufen.
Habe mich dann noch ein wenig im Netz belesen und an meinem Handy rumgefummelt - dann klappte es doch mit dem Signal. Nun hoffe ich sehr, dass das auch beim nächsten App-Test funktioniert und ich was zum Aufschreiben habe. ;-)  (*edit: hier mein Fazit nach den ersten Tests)

Glückwunsch, wer diesen ganzen Rattenschwanz jetzt zu Ende gelesen hat. :-D












Kommentare:

  1. Hallo Septemberwelle,

    ich muss gestehen, Sport ist bisher auch nicht meins. Aber ich werde mir nun was suchen, was ich ohne großen Kostenaufwand betreiben kann. Etwa so wie du, außer dass ich es auch gerne zu Hause machen möchte. Eventuell Pilates und Yoga?

    Schön, dass du deine Fitness verbessern konntest und hoffe, du bekommst dein Diabetes damit gut in den Griff.

    Apps sind schon eine tolle Sache ;) Ich schwöre auch auf sowas. Man kann sich gut kontrollieren und hat einfach einen Überblick.

    Ganz liebe Grüße
    Melanie

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  2. Mit Pilates und Yoga kenn ich mich leider nicht aus, ich weiß inwiefern man damit gut abnehmen kann. Für die Gesundheit ist beides sicher gut. :-)
    Das Wichtigste ist, dass du etwas findest was dir Spaß macht. Sonst ist es nur eine Qual.

    Ja, mit Apps kann man sich prima Zeit vertreiben... ;-)

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Vielen Dank für deinen Kommentar. :-)